Kapitel 38 – Grenzen, Schwellen und systemische Übergänge

1. Grenzen als Unterscheidung von System und Umwelt

Grenzen sind die Linien, an denen ein System sich von seiner Umwelt unterscheidet.
Sie sind keine Mauern, sondern Filter.
Grenzen bestimmen:

Ein System existiert, weil es Grenzen hat.
Es zerfällt, wenn diese Grenzen verschwimmen oder verhärten.

2. Schwellen als Veränderungspunkte der Grenzen

Schwellen sind die Punkte, an denen Grenzen sich verändern.
Eine Schwelle markiert nicht das Ende eines Zustands, sondern den Beginn eines neuen.
Sie entsteht, wenn die bisherige Struktur nicht mehr ausreicht, um die Wirkungen zu tragen, die auf das System einwirken.

Schwellen sind Momente erhöhter Sensibilität:

3. Systemische Übergänge als Transformation an Schwellen

Übergänge sind die Prozesse, die an Schwellen stattfinden.
Ein Übergang ist kein Sprung, sondern eine Transformation.
Er beschreibt, wie ein System seine Struktur neu ordnet, um unter veränderten Bedingungen bestehen zu können.
Übergänge sind Brücken zwischen Stabilität und Erneuerung — riskant, aber notwendig.

4. Die bewusste Grenzgestaltung stabiler Systeme

Stabile Systeme erkennen ihre Grenzen.
Sie wissen, wo ihre Tragfähigkeit endet und wo Anpassung beginnt.
Sie:

Ihre Übergänge sind bewusst, nicht zufällig.

5. Die ungestalteten Übergänge instabiler Systeme

Instabile Systeme ignorieren ihre Grenzen.
Sie:

So werden Schwellen zu Krisen statt zu Chancen.

6. Die dynamische Ordnung des Systems

Grenzen, Schwellen und systemische Übergänge bilden die dynamische Ordnung eines Systems.

7. Systemischer Realismus

Systemischer Realismus erkennt:

Ein System lebt, solange es seine Grenzen kennt —
und seine Übergänge nicht fürchtet.