Kapitel 40 – Kommunikation, Bedeutung und systemische Verständigung

1. Kommunikation als Koordination von Wirkungen

Kommunikation ist der Prozess, durch den ein System Wirkungen zwischen seinen Elementen koordiniert.
Sie ist nicht der Austausch von Informationen, sondern die Erzeugung von Bedeutung.
Ein System kommuniziert, wenn es Unterschiede verarbeitet —
wenn ein Signal nicht nur gesendet, sondern auch verstanden wird.
Kommunikation ist die operative Grundlage jeder sozialen Ordnung.

2. Bedeutung als relationale Einordnung von Wirkungen

Bedeutung entsteht, wenn ein System eine Wirkung in seine eigene Struktur einordnet.
Sie ist kein objektiver Inhalt, sondern eine relationale Leistung:
das, was für das System anschlussfähig ist.

Bedeutung reduziert Komplexität, indem sie festlegt:

Doch jede Bedeutung schließt auch aus —
sie macht blind für das, was nicht in das Muster passt.

3. Systemische Verständigung als Stabilisierung von Kommunikation und Bedeutung

Verständigung entsteht, wenn Kommunikation und Bedeutung sich gegenseitig stabilisieren.
Verständigung bedeutet nicht Einigkeit, sondern Anschlussfähigkeit.
Ein System ist verständigungsfähig, wenn unterschiedliche Perspektiven miteinander in Beziehung treten können, ohne sich gegenseitig zu zerstören.
Verständigung ist die soziale Form von Kohärenz.

4. Die verständigungsfördernde Praxis stabiler Systeme

Stabile Systeme pflegen Verständigung.
Sie:

Ihre Verständigung ist stabil, weil sie dynamisch bleibt.

5. Die Verständigungsstörung instabiler Systeme

Instabile Systeme verlieren Verständigungsfähigkeit.
Sie:

So wird jedes Gespräch zur Eskalation —
und jede Differenz zur Bedrohung.

6. Die semantische Ordnung des Systems

Kommunikation, Bedeutung und systemische Verständigung bilden die semantische Ordnung eines Systems.

7. Systemischer Realismus

Systemischer Realismus erkennt:

Ein System lebt, solange es kommunizieren kann —
und solange seine Kommunikation Bedeutung erzeugt, die trägt.