Identität ist die Weise, in der ein System sich selbst von seiner Umwelt unterscheidet.
Sie ist kein innerer Kern, sondern ein Muster:
die wiederkehrende Form, in der ein System seine Prozesse organisiert, seine Grenzen zieht und seine Geschichte interpretiert.
Identität entsteht nicht aus Substanz, sondern aus Wiederholung —
aus der Stabilität der eigenen Unterscheidungen.
Selbstbeschreibung ist die sprachliche und symbolische Form dieser Identität.
Ein System beschreibt sich selbst, um seine eigene Komplexität handhabbar zu machen.
Selbstbeschreibungen sind keine Abbilder, sondern Werkzeuge:
Sie sind Landkarten, nicht Territorien —
und doch prägen sie das Territorium, das sie zu beschreiben versuchen.
Kontinuität entsteht, wenn Identität und Selbstbeschreibung sich gegenseitig stabilisieren.
Kontinuität bedeutet nicht Unveränderlichkeit, sondern die Fähigkeit, Wandel so zu integrieren, dass die Form des Systems erkennbar bleibt.
Ein System besitzt Kontinuität, wenn es sich verändern kann, ohne sich selbst zu verlieren.
Kontinuität ist die zeitliche Form von Identität.
Stabile Systeme pflegen ihre Selbstbeschreibungen bewusst.
Sie:
Ihre Kontinuität entsteht aus der Balance zwischen Erinnerung und Erneuerung.
Instabile Systeme verfangen sich in ihren Selbstbeschreibungen.
Sie:
So wird Identität zur Fessel —
statt zur Ressource.
Identität, Selbstbeschreibung und systemische Kontinuität bilden die narrative Ordnung eines Systems.
Systemischer Realismus erkennt:
Ein System lebt, solange es sich selbst beschreiben kann —
und solange diese Beschreibung offen genug bleibt, um Zukunft zu ermöglichen.