Kapitel 56 – Bedeutung, Sinn und systemische Orientierungstiefe

1. Bedeutung als Bewertung von Unterschieden

Bedeutung ist die Weise, in der ein System Unterschiede wertet.
Sie entsteht, wenn ein Ereignis nicht nur registriert, sondern in die eigene Struktur eingeordnet wird.

Bedeutung ist kein objektives Merkmal der Welt, sondern ein relationaler Effekt:
Ein System verleiht etwas Bedeutung, indem es entscheidet, dass es für seine Stabilität relevant ist.

2. Sinn als zeitliche Form von Bedeutung

Sinn verbindet einzelne Bedeutungen zu einem Muster, das über den Moment hinausweist.
Er entsteht, wenn ein System seine Erfahrungen nicht nur ordnet, sondern in eine Erzählung integriert, die:

miteinander verbindet.

Sinn ist die Art, wie ein System sich selbst im Fluss der Zeit verortet.

3. Systemische Orientierungstiefe als Verstärkung von Bedeutung und Sinn

Orientierungstiefe entsteht, wenn Bedeutung und Sinn sich gegenseitig verstärken.
Sie zeigt:

Orientierungstiefe ist keine Wissensmenge, sondern eine Struktur:
die Fähigkeit, Komplexität nicht nur zu verarbeiten, sondern zu verstehen.

4. Die semantische Praxis stabiler Systeme

Stabile Systeme kultivieren Bedeutung bewusst.
Sie:

Ihre Stabilität entsteht aus innerer Klarheit —
nicht aus äußerer Kontrolle.

5. Die semantische Desintegration instabiler Systeme

Instabile Systeme verlieren Orientierungstiefe.
Sie:

So entsteht Orientierungslosigkeit, die weder Handlung noch Stabilität trägt.

6. Die semantische Ordnung des Systems

Bedeutung, Sinn und systemische Orientierungstiefe bilden die semantische Ordnung eines Systems.

7. Systemischer Realismus

Systemischer Realismus erkennt:

Ein System lebt, solange es Bedeutung erkennen kann —
und Sinn erzeugt, der seine Zukunft öffnet.