Kapitel 58 – Verantwortung, Antwortfähigkeit und systemische Integrität

1. Verantwortung als Einbezug von Folgen in die eigene Struktur

Verantwortung ist die Fähigkeit eines Systems, die Folgen seines Handelns in seine eigene Struktur einzubeziehen.
Sie entsteht, wenn ein System erkennt, dass jede Wirkung eine Rückwirkung erzeugt —
und dass Stabilität nicht nur aus dem entsteht, was es tut, sondern auch aus dem, was es unterlässt.

Verantwortung ist kein moralischer Begriff, sondern ein struktureller:
die Einsicht, dass jedes Handeln Teil eines größeren Zusammenhangs ist.

2. Antwortfähigkeit als operative Form der Verantwortung

Ein System ist antwortfähig, wenn es auf Wirkungen reagieren kann, ohne seine Identität zu verlieren.
Antwortfähigkeit bedeutet:

Sie zeigt, wie gut ein System seine Rückkoppllungen versteht —
und wie flexibel es auf sie antworten kann.

3. Systemische Integrität als Stimmigkeit von Sein, Tun und Wirkung

Integrität entsteht, wenn Verantwortung und Antwortfähigkeit sich gegenseitig stärken.
Integrität bedeutet nicht Reinheit, sondern Stimmigkeit:
die Übereinstimmung zwischen dem, was ein System ist, was es tut und was es bewirkt.

Ein System besitzt Integrität, wenn:

4. Die verantwortungsbewusste Praxis stabiler Systeme

Stabile Systeme kultivieren Verantwortung bewusst.
Sie:

Ihre Stärke liegt in der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen —
und tragfähig zu antworten.

5. Die Integritätsstörung instabiler Systeme

Instabile Systeme verlieren Integrität.
Sie:

So entstehen Muster, die entweder zersplittern oder erstarren.

6. Die ethische Ordnung des Systems (strukturell, nicht moralisch)

Verantwortung, Antwortfähigkeit und systemische Integrität bilden die ethische Ordnung eines Systems —
nicht im moralischen, sondern im strukturellen Sinn.

7. Systemischer Realismus

Systemischer Realismus erkennt:

Ein System lebt, solange es Verantwortung übernehmen kann —
und seine Integrität nicht verliert, wenn es auf die Welt antwortet.