Kapitel 53 – Komplexität, Reduktion und systemische Klarheit

1. Komplexität als Fülle möglicher Wirkungen

Komplexität ist die Fülle der möglichen Wirkungen, die ein System verarbeiten muss.
Sie entsteht aus:

Komplexität ist kein Problem, sondern die Grundbedingung lebender Systeme.
Sie zeigt, dass ein System in einer Welt operiert, die größer ist als seine eigenen Strukturen.

2. Reduktion als notwendige Antwort auf Komplexität

Ein System reduziert, indem es:

Reduktion ist kein Verlust, sondern eine Notwendigkeit.
Ohne Reduktion wären Orientierung unmöglich, Handlung überfordernd, Stabilität unerreichbar.

Doch jede Reduktion schafft auch Blindheit —
sie macht das System empfindlich für das, was es nicht sieht.

3. Systemische Klarheit als Verhältnis von Komplexität und Reduktion

Klarheit entsteht, wenn Komplexität und Reduktion in ein tragfähiges Verhältnis gebracht werden.
Klarheit bedeutet nicht Einfachheit, sondern Stimmigkeit.

Ein System ist klar, wenn es weiß:

Klarheit ist die Fähigkeit, im Überfluss der Möglichkeiten die relevanten Muster zu erkennen.

4. Die bewusst gestaltete Reduktion stabiler Systeme

Stabile Systeme gestalten ihre Reduktionen bewusst.
Sie:

Ihre Klarheit entsteht aus Bewusstsein —
nicht aus Vereinfachung.

5. Die kognitive Überforderung instabiler Systeme

Instabile Systeme verlieren Klarheit.
Sie:

So entstehen Muster, die entweder starr oder überlastet sind.

6. Die kognitive Ordnung des Systems

Komplexität, Reduktion und systemische Klarheit bilden die kognitive Ordnung eines Systems.

7. Systemischer Realismus

Systemischer Realismus erkennt:

Ein System lebt, solange es Komplexität nicht fürchtet —
und Reduktion nicht missbraucht.