Kapitel 62 – Lernen, Anpassung und systemische Entwicklungsfähigkeit

1. Lernen als strukturelle Verarbeitung von Erfahrung

Lernen ist die Fähigkeit eines Systems, seine eigenen Muster durch Erfahrung zu verändern.
Es entsteht, wenn Rückkopplungen nicht nur registriert, sondern strukturell verarbeitet werden.

Lernen bedeutet nicht, mehr Informationen zu sammeln, sondern die eigenen Unterscheidungen zu verfeinern.
Ein System lernt, wenn es aus Wirkungen neue Möglichkeiten erzeugt.

2. Anpassung als operative Form des Lernens

Anpassung zeigt sich darin, dass ein System seine Strukturen so verändert, dass es unter neuen Bedingungen stabil bleibt.
Anpassung ist kein Nachgeben, sondern ein Umbau:
ein Prozess, in dem das System seine Form erneuert, ohne seine Identität zu verlieren.

Ein System ist anpassungsfähig, wenn es Wandel integrieren kann, ohne zu zerbrechen.

3. Systemische Entwicklungsfähigkeit als Zusammenspiel von Lernen und Anpassung

Entwicklungsfähigkeit entsteht, wenn Lernen und Anpassung sich gegenseitig tragen.
Entwicklung bedeutet nicht bloß Veränderung, sondern gerichtete Veränderung:

Ein entwicklungsfähiges System wächst nicht durch Expansion, sondern durch Vertiefung seiner Strukturen.

4. Die lernbewusste Praxis stabiler Systeme

Stabile Systeme kultivieren Lernen bewusst.
Sie:

Ihre Stabilität entsteht aus der Fähigkeit zur Selbsterneuerung.

5. Die Entwicklungsblockade instabiler Systeme

Instabile Systeme verlieren Entwicklungsfähigkeit.
Sie:

So entstehen Muster, die entweder starr oder chaotisch werden —
beides verhindert Wachstum.

6. Die evolutive Ordnung des Systems

Lernen, Anpassung und systemische Entwicklungsfähigkeit bilden die evolutive Ordnung eines Systems.

7. Systemischer Realismus

Systemischer Realismus erkennt:

Ein System lebt, solange es lernen kann —
und solange es bereit ist, sich zu verändern, ohne sich selbst zu verlieren.