Leben beginnt nicht im Individuum.
Leben beginnt im Geflecht, das das Individuum trägt.
Kein Organismus existiert aus sich heraus.
Jede Form von Stabilität entsteht aus Beziehungen, nicht aus Isolation.
Abhängigkeit ist kein Mangel.
Abhängigkeit ist die Grundbedingung von Existenz.
Alles, was lebt, lebt, weil etwas anderes wirkt, trägt, bindet, erneuert.
Ein System ist kein Ding.
Ein System ist ein Zusammenhang.
Es entsteht dort, wo Elemente sich gegenseitig ermöglichen.
Ohne Ermöglichung keine Funktion.
Ohne Funktion keine Reproduktion.
Ohne Reproduktion kein Fortbestand.
Die moderne Vorstellung vom autonomen Individuum ist eine Illusion.
Sie trennt, was in Wirklichkeit verbunden ist.
Sie erklärt Unabhängigkeit zum Ideal und macht damit die Grundlagen des Lebens unsichtbar.
Abhängigkeit ist kein Gegensatz zu Freiheit.
Abhängigkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Freiheit überhaupt entstehen kann.
Nur wer getragen wird, kann handeln.
Nur wer eingebettet ist, kann gestalten.
Systemischer Realismus beginnt mit der Anerkennung dieser Abhängigkeit.
Nicht als moralische Forderung, sondern als Beschreibung der Wirklichkeit.
Wir sind nicht frei trotz unserer Abhängigkeiten.
Wir sind frei durch sie.
Wer die Abhängigkeiten versteht, versteht die Kräfte, die Systeme stabilisieren.
Wer sie ignoriert, zerstört die Bedingungen, die ihn selbst erhalten.
Das Kapitel endet mit einer einfachen Einsicht:
Nichts existiert allein.
Alles ist Teil eines Zusammenhangs, der älter, größer und tragfähiger ist als das einzelne Leben.